Sonntagsimpuls

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Heilig Geist Burghausen HDB am 11.09.2022

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, schrieb Hermann Hesse in seinem Gedicht ‚Stufen‘ und bereicherte mit diesem Satz nicht nur unsere Alltagssprache, sondern auch so manches Mal unsere Denkweise.

Jetzt im Sep­tem­ber ist die Zeit der Neu­an­fän­ge. Das neue Aus­bil­dungs­jahr hat gera­de begon­nen, die Schu­le fängt am Diens­tag wie­der an, in vie­len Betrie­ben geht das Arbei­ten nach der Som­mer­pau­se wie­der los. Oft spü­ren wir aber ganz wenig von einem Zau­ber in die­sen neu­en Anfän­gen. Viel mehr sind sie von Stress, Ner­vo­si­tät, Unsi­cher­heit und Ängs­ten beglei­tet. Wie wird das nur alles wer­den? Was kommt da auf uns zu? Geht es so wei­ter wie bisher? 

Selbst, wenn man es schafft, den Zau­ber des Anfangs zu zele­brie­ren und mit neu­er Moti­va­ti­on zu star­ten, so ist es doch wahr­schein­lich, dass einen der All­tag sehr schnell ein­holt. Rasch wer­den Din­ge zur Gewohn­heit und ehe man sich ver­sieht, hat man sich viel­leicht schon in Din­ge ver­rannt, die nicht mehr auf einen zau­ber­haf­ten Anfang ver­wei­sen, son­dern sich zu einem Alb­traum in der Mit­te ent­wi­ckelt haben. 

In der alt­tes­ta­men­ta­ri­schen Lesung die­ses Sonn­tags scheint es dem Volk Isra­el ähn­lich zu gehen. Die Eupho­rie über die Zusa­ge von Got­tes Bei­stand und den Aus­zug aus Ägyp­ten ist ver­flo­gen. Der All­tag hat das Volk ein­ge­holt. Sie sind mür­risch, weil nichts vor­wärts­geht und sie wen­den sich von Gott ab – ver­eh­ren statt­des­sen ein gol­de­nes Kalb. Das geht sogar so weit bis Gott sinn­ge­mäß die Nase voll von ihnen hat und er sie sei­nen Zorn ver­spü­ren las­sen will. Auch Pau­lus in der zwei­ten Lesung hat­te sich in die Chris­ten­ver­fol­gung hin­ein­ge­stei­gert, in etwas ver­rannt. Und im Gleich­nis aus dem Evan­ge­li­um ver­lässt ein Sohn den väter­li­chen Hof und ver­prasst sein Erbe. Es hat sich ausgezaubert. 

Doch allen drei Lesun­gen ist eines gemein­sam: Gott, der immer wie­der die Hand reicht für einen Neu­an­fang. Es reut ihn sein Zorn gegen­über dem Volk Isra­el und er steht zu sei­nem einst geschlos­se­nen Bund. Pau­lus beschreibt sei­ne Umkehr und welch über­gro­ßes Erbar­men er in Jesus Chris­tus gefun­den hat. Und eben jener selbst ver­deut­licht in sei­nem Gleich­nis die unglaub­li­che Freu­de Got­tes über die Umkehr eines jeden ein­zel­nen. Gott lässt nicht im Stich und ein Neu­an­fang ist jeder­zeit möglich. 

Jeder neue Tag, der uns geschenkt ist, ist so ein Neu­an­fang. Jede Begeg­nung ist so ein Neu­an­fang. Jedes Gespräch mit Gott ist so ein Neu­an­fang. Las­sen wir uns auf den Zau­ber ein, dass Gott es immer wie­der und über­all mit uns wagt. 

Rebek­ka Redin­ger-Kneißl
Theol. Refe­ren­tin im Haus der Begeg­nung HEI­LIG GEIST


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