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Anita Lengdobler - ein Nachruf

Rebekka Redinger-Kneißl am 02.07.2026

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Ganz plötzlich und unerwartet wurde Anita Lengdobler am 23. Juni 2026 aus unserer Mitte gerissen. Im Haus ist es wie im Schock. Anita fehlt - überall. Mit ihrem Wissen, mit ihrer Einsatzbereitschaft, mit ihrer Sorge für Mitarbeitende und Haus und vor allem als Mensch. 

Man könn­te vie­le Wor­te ver­lie­ren, denn 33 Jah­re Dienst im Haus der Begeg­nung sind eine lan­ge Zeit. Man könn­te sich dar­über unter­hal­ten wie tra­gisch es ist, dass Ani­ta ein­fach nicht mehr da ist. Und wir könn­ten uns dar­über auf­re­gen, wie unfair, es ist, dass Ani­ta ihren wohl­ver­dien­ten Ruhe­stand nicht mehr erle­ben darf. 

Die Ein­la­dun­gen zu ihrer Abschieds­fei­er waren Groß­teils schon ver­schickt. Es hät­te ein gro­ßes Fest ihr zu Ehren wer­den sol­len, denn Ani­ta hat wirk­lich ihr gan­zes Leben in das Haus der Begeg­nung inves­tiert. Sie war viel­mehr als nur eine Mit­ar­bei­te­rin, viel mehr als nur’ die Haus­wirt­schafts­lei­tung. Sie hät­te einen gro­ßen Bahn­hof mehr als nur ver­dient gehabt, auch wenn sie es per­sön­lich hass­te im Mit­tel­punkt zu stehen. 

Ich erlau­be mir als Direk­to­rin ein paar per­sön­li­che Gedan­ken mit ihnen zu tei­len: Mei­nen ers­ten Arbeits­tag im Haus der Begeg­nung hat­te ich an Ani­tas 60. Geburts­tag. Es war Coro­na-Hoch­zeit mit Abstand und Unge­wiss­heit und nie­mand hat­te mir gesagt, dass ich an einem gro­ßen Jubel­fest mei­nen Dienst antre­ten wür­de. Es war mir rich­tig unan­ge­nehm. Aber Ani­ta hat sich mir vor­ge­stellt und war sofort wie­der in der Küche ver­schwun­den. Die ande­ren Mit­ar­bei­ten­den hat­ten für eine gro­ße gerahm­te Kal­li­gra­phie zusam­men­ge­legt, die sie sich in ihr Wohn­zim­mer hän­gen konn­ten. 
So lern­te ich an die­sem ers­ten Tag gleich vie­le Din­ge, die sich im Lau­fe der Zeit noch wei­ter ergänzten. 

  1. Ani­ta war eine, die immer arbei­te­te und nicht eine, die sich fei­ern ließ. Das Wohl der Gäs­te — und das zu jedem Anlass — stand immer im Mittelpunkt. 
  2. Ani­ta hat­te einen Sinn für Kunst und schö­ne Din­ge. Sie wuss­te ehr­li­che Hand­ar­beit zu schät­zen und war selbst geübt in Kal­li­gra­phie, auch wenn dafür viel zu wenig Zeit blieb. 
  3. Ani­tas Lieb­lings­far­be war blau. Blau machen dage­gen hät­te es für sie nie gege­ben. Ein­satz und Pflicht­be­wusst­sein gin­gen über jedes nor­ma­le Maß hinaus. 

Ani­ta hat­te die­ses Haus gemein­sam mit Dom­ka­pi­tu­lar Josef Fischer groß gemacht. Das war sicher kein Selbst­läu­fer. Und wenn sie manch­mal weh­mü­tig an alte Zei­ten dach­te, so war sie den­noch nie­mand, der die Ver­gan­gen­heit ver­klär­te. Schwie­rig­kei­ten gab es immer mal wie­der — aber auch vie­le schö­ne Erleb­nis­se. Ihr war es wich­tig, dass im Haus etwas los war, aber nicht um jeden Preis. Schüt­zend stell­te sie sich stets vor ihre Mit­ar­bei­ten­den — sich selbst räum­te sie jedoch die­sen Schutz vor Über­las­tung nicht ein. 
Wenn ich anfangs eine neue Idee hat­te, so war die ers­te Ant­wort, die ich erhielt: da müs­sen wir erst Ani­ta fra­gen. 
Mit der Zeit habe ich gelernt, dass es dabei nicht drum ging, die Erlaub­nis von Ani­ta ein­zu­ho­len, son­dern ihre Unter­stüt­zung zu bekom­men. Denn sie hat­te einen Blick für die Din­ge, die bei aller Eupho­rie und Taten­drang oft auf der Stre­cke blie­ben. Sie war kei­ne Befehls­emp­fän­ge­rin, son­dern Mit­ge­stal­te­rin, kri­tisch und rea­li­täts­be­wusst, aber am Ende immer auf der Suche nach Mög­lich­kei­ten wie alles irgend­wie mach­bar sein wür­de. 
Ani­ta war ein zen­tra­ler Angel­punkt — ohne sie lief nichts. Aber sie war nie­mand, der sich ver­wei­ger­te. Klar war den­noch, vor dem ers­ten Kaf­fee und einer guten Ziga­ret­te war nicht der rich­ti­ge Zeit­punkt für Anfragen. 

Wenn Sie an Ani­ta den­ken, dann fal­len Ihnen wahr­schein­lich auch vie­le eige­ne Erleb­nis­se mit ihr ein. So geht es uns allen gera­de im Haus der Begeg­nung. 
Wir trau­ern um sie als Mensch und wir bemü­hen uns, ihr Haus” wei­ter­zu­füh­ren, denn genau das hät­te sie gewollt. Und dabei mahnt uns aber auch ihr plötz­li­cher Tod, dass es manch­mal auch nicht falsch ist, sich selbst und die eige­ne Gesund­heit in den Mit­tel­punkt zu stellen. 

Ani­ta genießt jetzt hof­fent­lich das himm­li­sche Gast­mahl und darf sich ganz bei Gott gebor­gen füh­len, auf den sie Zeit ihres Lebens gesetzt hat. Er wir­d’s schon rich­ten. 
Und wir bemü­hen uns hier unten, alles wei­ter zu rich­ten und hof­fen, dass sich Ani­tas guter Geist wei­ter­hin im Hau­se durch uns zeigt. 

In der Hei­lig-Geist-Kir­che liegt ein Kon­do­lenz­buch auf. Schrei­ben Sie ger­ne etwas im Geden­ken an Ani­ta hinein. 

Ein Abschieds­got­tes­dienst im Haus ist für den 26.07. um 10.30 Uhr geplant. 

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