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Ganz plötzlich und unerwartet wurde Anita Lengdobler am 23. Juni 2026 aus unserer Mitte gerissen. Im Haus ist es wie im Schock. Anita fehlt - überall. Mit ihrem Wissen, mit ihrer Einsatzbereitschaft, mit ihrer Sorge für Mitarbeitende und Haus und vor allem als Mensch.
Man könnte viele Worte verlieren, denn 33 Jahre Dienst im Haus der Begegnung sind eine lange Zeit. Man könnte sich darüber unterhalten wie tragisch es ist, dass Anita einfach nicht mehr da ist. Und wir könnten uns darüber aufregen, wie unfair, es ist, dass Anita ihren wohlverdienten Ruhestand nicht mehr erleben darf.
Die Einladungen zu ihrer Abschiedsfeier waren Großteils schon verschickt. Es hätte ein großes Fest ihr zu Ehren werden sollen, denn Anita hat wirklich ihr ganzes Leben in das Haus der Begegnung investiert. Sie war vielmehr als nur eine Mitarbeiterin, viel mehr als ‘nur’ die Hauswirtschaftsleitung. Sie hätte einen großen Bahnhof mehr als nur verdient gehabt, auch wenn sie es persönlich hasste im Mittelpunkt zu stehen.
Ich erlaube mir als Direktorin ein paar persönliche Gedanken mit ihnen zu teilen: Meinen ersten Arbeitstag im Haus der Begegnung hatte ich an Anitas 60. Geburtstag. Es war Corona-Hochzeit mit Abstand und Ungewissheit und niemand hatte mir gesagt, dass ich an einem großen Jubelfest meinen Dienst antreten würde. Es war mir richtig unangenehm. Aber Anita hat sich mir vorgestellt und war sofort wieder in der Küche verschwunden. Die anderen Mitarbeitenden hatten für eine große gerahmte Kalligraphie zusammengelegt, die sie sich in ihr Wohnzimmer hängen konnten.
So lernte ich an diesem ersten Tag gleich viele Dinge, die sich im Laufe der Zeit noch weiter ergänzten.
- Anita war eine, die immer arbeitete und nicht eine, die sich feiern ließ. Das Wohl der Gäste — und das zu jedem Anlass — stand immer im Mittelpunkt.
- Anita hatte einen Sinn für Kunst und schöne Dinge. Sie wusste ehrliche Handarbeit zu schätzen und war selbst geübt in Kalligraphie, auch wenn dafür viel zu wenig Zeit blieb.
- Anitas Lieblingsfarbe war blau. Blau machen dagegen hätte es für sie nie gegeben. Einsatz und Pflichtbewusstsein gingen über jedes normale Maß hinaus.
Anita hatte dieses Haus gemeinsam mit Domkapitular Josef Fischer groß gemacht. Das war sicher kein Selbstläufer. Und wenn sie manchmal wehmütig an alte Zeiten dachte, so war sie dennoch niemand, der die Vergangenheit verklärte. Schwierigkeiten gab es immer mal wieder — aber auch viele schöne Erlebnisse. Ihr war es wichtig, dass im Haus etwas los war, aber nicht um jeden Preis. Schützend stellte sie sich stets vor ihre Mitarbeitenden — sich selbst räumte sie jedoch diesen Schutz vor Überlastung nicht ein.
Wenn ich anfangs eine neue Idee hatte, so war die erste Antwort, die ich erhielt: da müssen wir erst Anita fragen.
Mit der Zeit habe ich gelernt, dass es dabei nicht drum ging, die Erlaubnis von Anita einzuholen, sondern ihre Unterstützung zu bekommen. Denn sie hatte einen Blick für die Dinge, die bei aller Euphorie und Tatendrang oft auf der Strecke blieben. Sie war keine Befehlsempfängerin, sondern Mitgestalterin, kritisch und realitätsbewusst, aber am Ende immer auf der Suche nach Möglichkeiten wie alles irgendwie machbar sein würde.
Anita war ein zentraler Angelpunkt — ohne sie lief nichts. Aber sie war niemand, der sich verweigerte. Klar war dennoch, vor dem ersten Kaffee und einer guten Zigarette war nicht der richtige Zeitpunkt für Anfragen.
Wenn Sie an Anita denken, dann fallen Ihnen wahrscheinlich auch viele eigene Erlebnisse mit ihr ein. So geht es uns allen gerade im Haus der Begegnung.
Wir trauern um sie als Mensch und wir bemühen uns, “ihr Haus” weiterzuführen, denn genau das hätte sie gewollt. Und dabei mahnt uns aber auch ihr plötzlicher Tod, dass es manchmal auch nicht falsch ist, sich selbst und die eigene Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen.
Anita genießt jetzt hoffentlich das himmlische Gastmahl und darf sich ganz bei Gott geborgen fühlen, auf den sie Zeit ihres Lebens gesetzt hat. Er wird’s schon richten.
Und wir bemühen uns hier unten, alles weiter zu richten und hoffen, dass sich Anitas guter Geist weiterhin im Hause durch uns zeigt.
In der Heilig-Geist-Kirche liegt ein Kondolenzbuch auf. Schreiben Sie gerne etwas im Gedenken an Anita hinein.
Ein Abschiedsgottesdienst im Haus ist für den 26.07. um 10.30 Uhr geplant.



