Sonntagsimpuls

Sonntagsgedanken im November | "Das letzte Wort"

Rebekka Redinger-Kneißl am 02.11.2025

Liebe Mitmenschen, 

so hat gestern der Pfarrer am Friedhof, den ich besucht habe, die Anwesenden begrüßt. Liebe Mit-Menschen, weil wir alle mit-einander unterwegs sind. Mit-einander obwohl wir uns in völlig verschiedene Richtungen bewegen. 

Im Evan­ge­li­um Der Jüng­ling von Nain“ (Lk 7,1117 sind auch Men­schen mit­ein­an­der unter­wegs. Man könn­te sagen, es sind zwei Züge, die sich vor den Stadt­to­ren dort begeg­nen. Zwei Züge, die in ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tun­gen füh­ren. Der Zug des Lebens führt in die Stadt Nain hin­ein. Es ist Jesus. Er ist nicht allei­ne unter­wegs. Er wird beglei­tet von sei­nen Jün­gern und vie­len wei­te­ren Men­schen. Sie sind unter­wegs, mit­ein­an­der, vol­ler Begeis­te­rung, vol­ler Erwar­tung, vol­ler Energie. 

Aus der Stadt her­aus kommt der Trau­er­zug. Eine Wit­we, die ihren ein­zi­gen Sohn zu Gra­be tra­gen muss. Vie­le Leu­te aus der Stadt beglei­ten sie. Auch sie ist also mit ande­ren unter­wegs. Ob es Men­schen sind, die ihre Anteil­nah­me aus­drü­cken, ob es Men­schen sind, die aus Neu­gier­de dabei sind – wer weiß. Die Wit­we hat nicht nur ihren Sohn ver­lo­ren. Sie hat mit sei­nem Tod in gewis­ser Wei­se auch ihr eige­nes Leben ver­lo­ren. Sie hat kei­ner­lei sozia­le Absi­che­rung mehr. Ihr gan­zer Halt, ihr Lebens­in­halt ist mit einem Mal weg. 

Nun kreu­zen sich die­se bei­den Züge. Im Evan­ge­li­um heißt es: Als der Herr die Frau sah hat­te er Mit­leid mit ihr.“ Das ist der Wen­de­punkt. Jesus sieht sie – er sieht sie wirk­lich. Nicht als Teil einer Men­ge, nicht als eine anony­me Lei­den­de, son­dern als Mit-Mensch. Die­ses Sehen ist mehr als nur ein Blick. Es ist ein Blick vol­ler Mit-Gefühl, Mit-Mensch­lich­keit, vol­ler Lie­be. Jesus bleibt nicht auf Abstand. Er tritt her­an, spricht sie an und sagt: Wei­ne nicht.“ Das ist kein bil­li­ger Trost, kein Es wird schon wie­der‘, weil man sonst auch nicht genau weiß, was man eigent­lich ange­sichts des Todes sagen soll. Es ist ein Wort, das aus der Tie­fe der gött­li­chen Lie­be kommt. Ein Wort, das Hoff­nung schafft, wo kei­ne Hoff­nung mehr ist.

Was kann das für uns heu­te bedeu­ten? Wir haben es oft nicht in der Hand, in wel­chem Zug sich unser Leben gera­de ein­reiht. Aber wenn wir davon aus­ge­hen, dass wir mit Jesus unter­wegs sind, dass wir uns von ihm begeis­tern las­sen dür­fen, dann sind wir auf jeden Fall nicht allei­ne unter­wegs, son­dern immer mit Men­schen. Dann beinhal­tet das aber auch, dass wir die­je­ni­gen mit offe­nen Augen wahr­neh­men müs­sen, die am Rand ste­hen, deren Leben gera­de dun­kel gewor­den ist. Und nicht nur wahr­neh­men, son­dern ihnen ehr­lich und auf Augen­hö­he begeg­nen. Dann geht es um nichts ande­res als um die Lie­be selbst, die die Mit-Mensch­lich­keit bewirkt. 

Es ist die Lie­be, die anzieht. Die Lie­be, die uns unter­ein­an­der mit­ein­an­der ver­bin­det. Sie ist es, die die Brü­cke baut zwi­schen dem Leben im Dies­seits, über den Tod hin­weg und dem Leben im Jenseits. 

Was danach, also nach die­ser Begeg­nung pas­siert, ist das Unge­heu­er­li­che. Jesus berührt die Bah­re, die Trä­ger blei­ben ste­hen und er spricht: Jüng­ling, ich sage dir: Steh auf!”

Dar­auf­hin rich­tet sich der Tote tat­säch­lich auf und beginnt zu spre­chen. Wir wis­sen nicht was. Aber dann pas­siert etwas Ent­schei­den­des. Jesus gibt ihn sei­ner Mut­ter zurück. Er gibt ihn in ihre Lie­be und sie erhält dadurch selbst ihr Leben wie­der zurück. Die Lie­be über­win­det sogar den Tod. Das, was Jesus tut, ist mehr als ein Wun­der. Es ist die Ver­deut­li­chung des­sen, was Gott selbst ist: Er ist die Lie­be. Da, wo wir mei­nen, es sei alles ver­lo­ren und alles vor­bei, da sieht Gott noch eine Zukunft.
Da, wo wir den­ken, dass die Lie­be auf­hört – beginnt sie in Wahr­heit erst. 

Der Tod hat in Jesus Chris­tus Gott selbst getrof­fen. Und Gott hat­te das letz­te Wort. 

Rebek­ka Redin­ger-Kneißl, Direk­to­rin im HdB 

mit einem beson­de­ren Dank an Dom­ka­pi­tu­lar und Dekan Heri­bert Schau­er für die Inspiration 

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