Foto: Rebekka Redinger-Kneißl
Salz fällt im Essen kaum auf, aber wenn es fehlt, merkt man es sofort. Mit dem Christsein verhält es sich ähnlich. Es ist oft unspektakulär, leise und alltäglich. Aber wenn die klassisch christlichen Tugenden in unserem Staat wegfallen, dann wird es schnell ganz schön düster aussehen.
Denn gerade unsere abendländische Kultur und viele westliche demokratische Staaten bauen auf Fundamenten auf, die sie selbst nicht garantieren können. Genau dort kommt die christliche Religion mit ins Spiel. Da ist es auch zunächst nicht relevant welcher oder ob man überhaupt einer Kirche angehört. Aber wenn der Glaube immer mehr an Bedeutung verliert, dann rüttelt dies auch an den Grundfesten, die unser Zusammenleben ausmachen und mitgestalten. Wie leben wir? Welche Werte tragen uns und bestimmen unseren Umgang miteinander? Da muss man gar nicht die großen Eckpfeiler bemühen. Das sind für den Einzelnen oft die kleinen Gesten. Glaube zeigt sich im Tonfall, in Geduld, in Entscheidungen.
Freilich muss ich dafür kein Christ sein. Aber der christliche Auftrag hört auch dort nicht auf. „Ihr seid das Salz der Erde“, sagt Jesus im Evangelium an diesem Sonntag. „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,13−16). Eine christliche Haltung ist mehr als sich nur vereinzelt lieb und nett gegenüber seinen Mitmenschen zu präsentieren oder nur dann so zu handeln, wenn es auch wirklich gesehen wird. Gott wirkt primär nicht durch die großen Auftritte, sondern durch die treue Präsenz. Die Frage lautet nicht, ob wir als Christen auffallen, sondern ob wir wirken.
Salz muss man nicht herausschmecken, aber es kann auch seine Wirkkraft verlieren. Anpassung aus Bequemlichkeit oder auch aus Angst vor Ablehnung. Glaube ohne Haltung und ohne Profil. Zu schweigen, weil es unbequem ist den Mund aufzumachen. All das sind Gefahren, die christliches Leben und Wirken sukzessive weichspülen und an Geschmack bzw. Kraft verlieren lassen.
In den Worten Jesu steckt allerdings Zuspruch satt Anspruch. Da heißt es nicht „Ihr sollt werden“, sondern „Ihr seid.“ Identität kommt vor Leistung. Salz und Licht zu sein ist für jeden Christen eine Verantwortung im Leben aus einem tiefen Vertrauen heraus, das in uns gesetzt ist. Vielleicht kann ich mich also für die kommende Woche fragen, wo kann ich ein bisschen mehr Würze oder Licht sein. Und gleichzeitig muss ich mir klarmachen: eine Taschenlampe im Rucksack hilft in der Dunkelheit niemandem.



