Sonntagsimpuls

Sonntagsgedanken | Für wen hältst du mich?

Heilig Geist Burghausen HDB am 22.08.2026

„Für wen hältst du mich?“ – Diese Frage kann verletzen, empören oder herausfordern. Sie fragt danach, wie ich gesehen werde – und ob das Bild, das andere von mir haben, wirklich zu mir passt.
„Für wen halten die Menschen mich?“, fragt Jesus und dann ganz persönlich: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ 

Gerade für den Alltag steckt da erstaunlich viel drin:

Jesus fragt zunächst nach den Mei­nun­gen der ande­ren. Das ken­nen wir: Was den­ken die ande­ren über mich? Wie kom­me ich an? Was wird über mich gesagt? Jesus aber bleibt nicht bei der Außen­per­spek­ti­ve ste­hen. ​„Und wer bin ich für euch?“, fragt er die, die ihm nahe sind. Damit setzt er sich ihnen aus: ​„Seht ihr mich wirklich?“ 

„Du bist der Chris­tus“, bekennt Simon. ​„Chris­tus“ heißt ​„der Gesalb­te“ – ein Zei­chen für Erwäh­lung und Beauf­tra­gung durch Gott. Damit spricht Simon eine gro­ße theo­lo­gi­sche Wahr­heit aus. Man kann die Ant­wort des Simon Petrus auch ganz per­sön­lich hören: ​„Du bist …“ Das ist Bezie­hungs­spra­che, eine Lie­bes­er­klä­rung statt eines Glau­bens­sat­zes. So könn­te eine per­sön­li­che Gebets­übung aus­se­hen: ​„Jesus, du bist für mich …“ Und dann nicht die fromms­te Ant­wort suchen, son­dern die ehr­lichs­te: Du bist der, bei dem ich zur Ruhe kom­me. Du bist der, dem ich manch­mal aus­wei­che. Du bist der, den ich gera­de nicht ver­ste­he. Du bist mei­ne Hoffnung. … 

Simon Petrus bekommt einen zusätz­li­chen Namen – und damit eine Auf­ga­be. Jesus sagt zu Simon: ​„Du bist Petrus, der Fels.“ Jesus spricht ihm eine Iden­ti­tät zu. Viel­leicht ken­nen wir das auch: Ein Mensch sieht in uns etwas, das wir selbst noch gar nicht sehen. Wer hat mir ein­mal etwas über mich zuge­spro­chen, das mich gestärkt hat? Und umge­kehrt: Wem könn­te ich heu­te etwas Gutes über sein Wesen zusprechen? 

Petrus bekommt eine Zusa­ge und einen Auf­trag. Kei­ne Zusa­ge eines pro­blem­lo­sen Lebens. Jesus sagt nicht: Es wird nichts Schlim­mes pas­sie­ren. Er sagt: Das Dunk­le bekommt nicht das letz­te Wort. Das ist Got­tes Heils­wir­ken. In die­sem Heils­wir­ken steht Petrus – nicht feh­ler­los, nicht ohne Irr­we­ge, aber fest. Das letz­te Wort hat Got­tes Heils­wir­ken, dafür steht er wie ein Fels in der Bran­dung. Mit mei­ner Suche und mit mei­nen Ant­wor­ten, wer Jesus für mich ist, las­se ich mich hin­ein­neh­men in Got­tes Heils­wir­ken. Wo darf Gott heu­te auf mich bauen?

Bri­git­ta Necker­mann-Lipp
Lei­tung Refe­rat Spi­ri­tua­li­tät, Exer­zi­ti­en und Geist­li­che Beglei­tung
Refe­ren­tin im Haus der Begeg­nung HEI­LIG GEIST, Burghausen

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