Sonntagsimpuls

Sonntagsgedanken | Datensammlung

Heilig Geist Burghausen HDB am 08.03.2026

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Haben Sie eine Kundenkarte? Haben Sie schon Ihre App gescannt? Darf Ihre Smartwatch Ihre Bewegungsdaten an Ihre Krankenkasse weiterleiten? 
Nahezu täglich haben wir mit solchen Fragen zu tun. Für die einen ist es einfach ein Teil unseres Alltags geworden, mit einem kurzen Piepton ist alles erledigt. Juhu, ich habe mir wieder einen Rabatt verdient. Für andere ist es ein lästiges Ärgernis. Nein ich möchte nicht, dass jedes Unternehmen meine Daten sammeln, nutzen und am Ende sogar weiterverkaufen darf. 

Der glä­ser­ne Bür­ger ist ein Begriff, der sich zuneh­mend als Syn­onym für die Samm­lung von Daten her­aus­ge­bil­det hat und auch für die Angst vor einer tota­len Über­wa­chung, Durch­leuch­tung und somit Kon­trol­le steht. Die Vor­stel­lung einer Insti­tu­ti­on völ­lig aus­ge­lie­fert zu sein wird aktu­ell noch ein­mal befeu­ert durch den Ein­zug von KI in alle Facet­ten unse­res All­tags. Nicht weni­ge erschau­dern beim Gedan­ken daran. 

Was aber ist mit dem, für den wir von Anfang an ein glä­ser­nes Geschöpf waren? Mit dem, der uns von Anfang an Gedacht hat. Dem, der uns genau kennt. Dem, der nicht nur weiß, dass wir ger­ne Scho­ko­pud­ding im Super­markt kau­fen, son­dern dem, der weiß, dass wir uns seit Tagen den Kopf dar­über zer­bre­chen wie wir dem Nach­barn erklä­ren, dass wir mit dem Streit um den Zaun nicht mehr leben kön­nen. Für den, von dem wir glau­ben, dass wir nicht bloß eine Daten­samm­lung sind? Son­dern ein wert­vol­les Geschöpf. Im Evan­ge­li­um vom 3. Fas­ten­sonn­tag erlebt Die Frau am Jakobs­brun­nen“ genau das. Da ist einer, der tie­fer schaut als jede Sta­tis­tik, genau­er weiß als jeder Algo­rith­mus. Einer, der mein Sit­zen und mein Auf­ste­hen ver­steht, der mei­ne Gedan­ken von fer­ne erkennt. Und doch ist die­ses Wis­sen kein kal­tes Pro­to­kol­lie­ren, kein Spei­chern in einer himm­li­schen Cloud. Es ist ein Wis­sen aus Liebe.

Wäh­rend wir bei Unter­neh­men oft fra­gen: Was geschieht mit mei­nen Daten? Wer pro­fi­tiert davon? Zu wel­chem Zweck wer­den sie gesam­melt? – dür­fen wir bei Gott wis­sen: Er kennt uns nicht, um uns aus­zu­nut­zen, son­dern um uns zu ret­ten. Er durch­leuch­tet nicht, um zu kon­trol­lie­ren, son­dern um zu hei­len. Der glä­ser­ne Mensch in unse­rer Gesell­schaft fühlt sich bedroht, weil Trans­pa­renz hier Macht bedeu­tet. Wer alles über mich weiß, hat Ein­fluss auf mich. Doch Gott kennt alles über mich – und hat sich ent­schie­den, sei­ne Macht nicht gegen mich, son­dern für mich ein­zu­set­zen. Am Kreuz von Jesus Chris­tus wird genau das sicht­bar: Gott weiß um mei­ne Abgrün­de, um mei­ne Wider­sprü­che, um mein Ver­sa­gen. Und den­noch sagt er Ja zu mir.

Viel­leicht ist das der ent­schei­den­de Unter­schied: Die digi­ta­le Welt sam­melt Daten, um Pro­fi­le zu erstel­len. Gott sieht das Herz, um Bezie­hung zu schen­ken. Die KI lernt Mus­ter, um Ver­hal­ten vor­her­zu­sa­gen. Gott kennt mei­ne Wege, um mich zu beglei­ten – auch durch Irr­we­ge hindurch.

Es ist ein tröst­li­cher Gedan­ke: Ich muss Gott nichts vor­spie­len. Ich brau­che kei­nen Fil­ter, kein per­fek­tes Pro­fil­bild, kei­ne opti­mier­te Selbst­dar­stel­lung. Er kennt die unge­fil­ter­te Ver­si­on mei­nes Lebens. Die Zwei­fel, die ich nicht aus­spre­che. Die Fra­gen, die ich ver­drän­ge. Die Sehn­sucht, die ich kaum benen­nen kann.

Und mehr noch: Ich bin nicht nur durch­leuch­tet, ich bin gewollt. Schon bevor ein Gerät mei­nen Herz­schlag misst, hat Gott mein Herz gebil­det. Schon bevor eine App mei­ne Schrit­te zählt, hat er mei­ne Wege gese­hen. Ich bin kein Pro­dukt, kein Nut­zer, kei­ne Ziel­grup­pe. Ich bin sein Geschöpf.

Viel­leicht kann der Sonn­tag genau dazu ein­la­den: einen Moment lang aus­zu­stei­gen aus der per­ma­nen­ten Selbst­ver­mes­sung. Nicht stän­dig bes­ser, schnel­ler, effi­zi­en­ter wer­den zu müs­sen. Son­dern sich anse­hen zu las­sen – von dem, der mich kennt und den­noch oder genau des­we­gen liebt.

Rebek­ka Redin­ger-Kneißl, 
Direk­to­rin im Haus der Begeg­nung HEI­LIG GEIST
Refe­ren­tin für die Pries­ter der Weltkirche 

3. Fas­ten­sonn­tag 2026 — Evan­ge­li­um Joh 4,542

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