Foto: Rebekka Redinger-Kneißl
Erinnern Sie sich an Ihre letzte Bergtour? Denken wir kurz gemeinsam nach, wie das war. Der Aufstieg, mal locker, mal etwas beschwerlicher, verbunden mit Schweiß und Anstrengung. Schließlich waren Sie oben: Erschöpft, aber glücklich es geschafft zu haben. Und dann: dieser herrliche Ausblick. Wow! Von dort oben sieht die Welt doch gleich ganz anders aus. Die Welt vom Berggipfel aus betrachtet, ist irgendwie eine ganz andere als die, die man unten im Alltag erlebt.
Wir kosten oben noch einmal den Blick aus und machen uns dann wieder an den Abstieg. Und während wir uns schon einmal seelisch auf den Muskelkater am nächsten Tag einstellen, wissen wir auch, dass wir nicht mehr dieselben sind, wie die, die am Morgen zu dieser Bergtour aufgebrochen sind. Eine Bergerfahrung verändert.
Im Evangelium heute nimmt Jesus drei seiner Jünger mit auf eine Bergerfahrung. Sie gehen auf einen hohen Berg – das betont der Evangelist sogar extra. Es weißt schon auf etwas Besonderes hin. Hoch oben, dem Alltag entzogen, aber nicht abgehoben oder gar völlig losgelöst… Was werden die vier wohl miteinander besprochen haben? Beim Evangelisten Lukas heißt es da, dass Jesus sie mit zum Gebet nahm. Matthäus lässt das aus. Er schreibt, oben wird Jesus vor ihren Augen verwandelt. Diese Verwandlung ist aber nur temporär. Die eigentliche Verwandlung erleben die Jünger. Sie erhalten eine völlig neue Perspektive. Zwei der wichtigsten Gestalten aus dem Judentum, Mose und Elijah, tauchen auf. Aber es ist mehr als nur ein Zeichen dafür, dass Jesus auch „in dieser Liga mitspielt“.
Schauen wir uns die Todesarten der beiden an: Mose, der der das Gesetzt gebracht hat, darf das gelobte Land nur schauen, ehe er alt und greis geworden, dahinscheidet. Elijah, der Vorbote des Messias, dagegen wird entrückt. Die Juden warten bis heute auf seine Wiederkunft.
Für uns Christen ist das anders. Mit Jesus ist die Zeit erfüllt. Und so wird Jesus auch durch die Stimme aus der Wolke affirmiert. Er ist Gottes Sohn, auf den die Jünger ihre Aufmerksamkeit richten sollen. Er, der neue Bund, wird den Tod überwinden, durch seine Auferstehung die vollenden, die dahingeschieden sind und die, die entrückt wurden.
Den Jüngern wird geboten zu schweigen, bis nach dieser Vollendung, nach der Auferstehung. Weil erst dann alles einen Sinn ergibt. Weil dann diese Bergerfahrung, dieser Perspektivwechsel eingeordnet werden kann.
Heutzutage würde man vielleicht sagen, dass die Jünger „geflasht“ waren. Geflasht – das geht ein wenig darüber hinaus wie nur sprachlos zu sein. Sie waren berührt, angerührt, zutiefst ergriffen. Bei Petrus wandelt sich dieses geflasht sein, schnell in Aktionismus. Er möchte Hütten bauen. Den Moment festhalten, einfrieren, beständig halten. Die Hütten würden Sicherheit bedeueten.
Doch Flash-Momente sind dafür nicht gemacht.
Nach dem Gipfelerlebnis folgt der Abstieg zurück in die Realität. Zurück in den Alltag. Aber mit einem entscheidenden Unterschied. Am Gipfel wurde zwar Jesus vor ihren Augen verwandelt. Aber es sind die Jünger, die verwandelt wieder unten ankommen.
‚Wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe‘ heißt es im Petrusbrief. In der Lesung vorhin haben wir ähnliches gehört. Die Erfüllung der Verheißung in Jesus Christus.
Lassen wir uns an diesem Sonntag einladen zu einer Gipfelerfahrung. Lassen wir uns flashen. Lassen wir uns verändern – für unsere eigene Realität, für unseren Alltag. Deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir – bis du kommst in Herrlichkeit. Amen.
Rebekka Redinger-Kneißl,
Direktorin im Haus der Begegnung HEILIG GEIST
Referentin für die Priester der Weltkirche im Bistum Passau



