Zur Begegnung mit einer Zeitzeugin wurde zum Novemberkairos als Überraschungsgast Schwester Bernadette Brommer von der Gemeinschaft vom Guten Hirten aus München begrüßt. Sie ist Seelsorgerin in Behinderteneinrichtungen, zuvor Klinikseelsorgerin, Podcasterin und eine Frau, die aus vielen Feldern Lebensnähe schöpft.
Warum Schwester Bernadette ins Kloster ging? Auf einmal ist die Berufung zur Klosterschwester gekommen und nicht so genau zu erklären. In ihrem Leben und in ihrer Arbeit sucht sie sich nicht die Themen, sie kommen mit den Menschen auf sie zu. Sie begleitet sie, hört zu und versucht zu unterstützen. So erzählt sie von ihrer Arbeit mit einer kranken, wohlhabenden Frau und den guten Kontakt, der entsteht. Sie weiß, dass die Frau kirchlich beerdigt werden möchte. Nach dem Tod der Frau soll angeblich alles anders sein, eine ihr unbekannte Person übernimmt nun die Verantwortung. Schwester Bernadette geht diesem Umstand nach, begleitet von Erb- und Vollmachtsgeschichten, und versucht zu klären, welche Bedeutungen hinter diesen Wendungen stehen.
In der Begegnung mit einer unbekannten Vollmachtsperson nähert sie sich einem komplexen Netz aus Erbschaft, Verantwortung und Trauer. Sie schreibt ihre Erfahrungen auf, auch ihre Ohnmacht, und daraus entsteht ein Buch, das Einblick in ein Leben voller Fragen gibt. Vierzehn Jahre lang dokumentiert sie Akten und Fälle – eine stille, beharrliche Spurensuche, bei der rechtliche Entwicklungen in Deutschland trotz ihres breit angelegten Engagements oft keine Änderung erfuhren. Ihr zentrales Anliegen bleibt jedoch klar: Menschen in der Trauer zu begleiten – unabhängig davon, ob sie kirchlich gebunden sind oder nicht.
Schwester Bernadette, eine Schwester vom Guten Hirten, erscheint in ihrem Engagement wie eine gute Hirtin, die analog zum biblischen Gleichnis dem einen verlorenen Schaf nachgeht. Als engagierte Katholikin richtet sie ihren Blick auf Menschen in Not, die oft am Rand stehen. Ihre Arbeit und ihre Geschichten regen am Kairosabend zu lebhaften Gesprächen an, die über das konkrete Beispiel hinausgehen und Fragen nach Identität, Verantwortung, Gemeinschaft und Spiritualität aufwerfen.
Weitere Informationen über Schwester Bernadette finden Sie unter www.mysisteract.de, einer Anlaufstelle für vulnerable Personen.



