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Kairos-Abend | Unternehmer Hans Rosenberger

Heilig Geist Burghausen HDB am 02.02.2026

Hans Rosenberger (links) als Gast beim Kairos - moderiert von Ludwig Raischl (rechts) Info Icon Foto: Rebekka Redinger-Kneißl

"Wir machen unsere Sachen selber. Und wenn wir (noch) nicht wissen wie, dann lernen wir es." Mit dieser Grundphilosophie führte der Tittmoninger Unternehmer Hans Rosenberger seinen Betrieb von einer kleinen Fertigungsanlage mit 80 Angestellten am Standort Fridolfing zum Weltmarktführer in Sachen Koax-Steckverbindungen mit 15.000 Beschäftigten weltweit und rund 2 Mrd Euro Umsatz jährlich. Der 73-jährige war der Überraschungsgast beim ersten Kairos im Jahr 2026. 

Es sei eine Über­ra­schung und eine Ehre gewe­sen als Lud­wig Rai­schl ihn kon­tak­tiert und zum Kai­ros ein­ge­la­den hat­te, gibt Hans Rosen­ber­ger an. Was soll ich denn da erzäh­len?”, habe er sich gedacht, doch Lud­wig Rai­schls Beharr­lich­keit habe ihnen schließ­lich über­zeugt. Und als Mensch mit huma­nis­ti­scher Aus­bil­dung sei der Kai­ros natür­lich für ihn kein Unbe­kann­ter. 
So erzählt Rosen­ber­ger von vie­len Kai­ros Momen­ten, die sein Leben und vor allem sein unter­neh­me­ri­sches Wir­ken maß­geb­lich mit beein­flusst haben: Sei­ne Eltern hat­ten die Fir­ma Ende der 50er Jah­re gegrün­det und fer­tig­ten Metall­tei­le für MAN, Zahn­rad in Pas­sau oder auch Este­rer in Alt­öt­ting an. Sei­ne Mut­ter war für das kauf­män­ni­sche ver­ant­wort­lich, der Vater der Tech­ni­ker. Wenn der Vater eine neue Maschi­ne haben woll­te, muss­te der Ver­käu­fer erst mit einem Blu­men­strauß bei der Mut­ter vor­stel­lig wer­den”, so bringt Rosen­ber­ger die rund 80 Zuhö­ren­den zum Schmun­zeln. Als eine Fri­dol­fin­ger Fir­ma Kon­kurs anmel­den muss, will der Vater eigent­lich nur eine Dreh­ma­schi­ne aus der Kon­kurs­mas­se erwer­ben. Doch Mit­ar­bei­ter über­zeu­gen ihn, die Beleg­schaft der Fir­ma zu über­neh­men und mit ihnen einen Auf­trag für Ste­cker für Tele­fun­ken fer­tig­zu­stel­len. Rosen­ber­gers Vater hat­te viel­leicht kei­ne Ahnung von Hoch­fre­quenz­tech­nik, aber er hat­te die güns­ti­ge Gele­gen­heit erkannt und zugegriffen. 

Das sei eigent­lich das Ent­schei­den­de im erfolg­rei­chen Unter­neh­mer­tum, sagt Rosen­ber­ger: Gele­gen­hei­ten zu erken­nen und sie zu ergrei­fen. Stra­te­gien und Plä­ne sei­en zwar in aller Mun­de, doch der deut­sche Mit­tel­stand baut eigent­lich auf ande­re Fak­to­ren. Bei 3,4 Mio. mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men, die die tra­gen­de Kraft der deut­schen Wirt­schaft bil­den, gehe es vor allem um lang­fris­ti­ge Ori­en­tie­rung, nicht um erfolg­rei­che Quar­tals­be­rich­te und stän­dig gute Pres­se. Der Mit­tel­stand ver­hält sich lie­ber ruhig und taucht gar nicht so gern in der Pres­se auf. 

Der Kun­de muss im Mit­tel­punkt ste­hen und der Mit­tel­stand ist in Nischen aktiv, um dort beson­ders und spe­zi­ell zu sein. So erfolgt eine unauf­fäl­li­ge Posi­tio­nie­rung, nicht dort, wo die Ele­fan­ten” tan­zen. Wenn man in der Nische wach­sen will, dann geht das nur über glo­bal focu­sing” — die Aus­deh­nung auf vie­le Län­der. Rosen­ber­ger ist mitt­ler­wei­le mit Stand­or­ten auf allen Kon­ti­nen­ten, außer Aus­tra­li­en, ver­tre­ten und hat sich dort an die jewei­li­gen Märk­te ange­passt. So wur­den sie wie vie­le deut­sche Mit­tel­ständ­ler zu einem soge­nann­ten hid­den cham­pi­on” — einem Welt­markt­füh­rer im Ver­bor­ge­nen. Ihre Ste­cker fin­den sich in Fahr­zeu­gen, Fern­seh­mas­ten und mili­tä­ri­schen Abschirman­lan­gen. Dass dahin­ter Rosen­ber­ger aus Fri­dol­fing steckt, dürf­te dabei nur Insi­dern bewusst sein. 

Ein Schlüs­sel für die Unter­neh­mens­füh­rung ist laut Rosen­ber­ger das Prin­zip des Anstands. Er zitiert Sene­ca mit den Wor­ten: Anstand fängt dort an, wo das Gesetz auf­hört.” Das impli­ziert das Vor­le­ben einer Wer­te­struk­tur: Ver­trau­en, Respekt, Höf­lich­keit, Fair­ness, mit­ein­an­der Spaß zu haben und über­wie­gend ger­ne zur Arbeit zu kom­men. Lan­ge Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit prägt eben­so das inner­be­trieb­li­che Kli­ma. Dabei geht es nicht immer nur um wirt­schaft­li­che Aspek­te, son­dern ein Unter­neh­men ist dabei auch eine sozia­le Ver­ant­wor­tungs­ge­mein­schaft. Die Mit­ar­bei­ter sind dabei nicht nur Mit­tel zum Zweck. Das Unter­neh­men hat für sie dabei weder einen Erzie­hungs­auf­trag noch einen The­ra­pie­auf­trag. Man muss die Men­schen neh­men wie sie sind, aber man kann sie mit Stall­ge­ruch aus­stat­ten. Rund 170 – 180 jun­ge Men­schen bil­det Rosen­ber­ger allein in Fri­dol­fing aus. Das sind Men­schen mit denen wir wach­sen kön­nen”, sagt der Seniorchef. 

Wich­tig ist außer­dem eine Feh­ler­to­le­ranz. Es geht auch Vie­les dane­ben. Aber es ist gut, dass wir es pro­biert haben. Natür­lich muss man sich das auch leis­ten kön­nen”, gibt er zu. Dazu gehört außer­dem die sokra­ti­sche Ata­r­axia — die Gelas­sen­heit und die offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on, auch in har­ten Zei­ten. Wir haben schon so viel zusam­men­durch­ge­stan­den, da packen wir das jetzt auch. Auch wenn wir manch­mal den Gür­tel enger schnal­len müs­sen. In mei­nen 50 Jah­ren hat es kei­ne ein­zi­ge betriebs­be­ding­te Kün­di­gung aus wirt­schaft­li­chen Grün­den gege­ben”, betont Rosen­ber­ger nicht ohne stolz. So wis­sen die Mit­ar­bei­ter: Wir kön­nen uns auf unse­ren Arbeit­ge­ber ver­las­sen. 
 

Und wie sieht es mit der fami­liä­ren Nach­fol­ge aus?”, wol­len die Zuhö­ren­den am Ende des kurz­wei­li­gen Vor­trags wis­sen. Wir haben unse­ren Kin­dern immer die Frei­heit gelas­sen und sie nir­gend­wo hin­ein­ge­drängt”, bestä­tigt auch Rosen­ber­gers Frau mit einem Nicken. Bei mir war das noch anders. Da war der Weg schon klar vor­ge­ge­ben. Und es ist auch nicht immer klug einen Nach­fol­ger ganz an die Unter­neh­mens­spit­ze zu set­zen, auto­ma­tisch, weil er aus der Fami­lie kommt, dafür aber viel­leicht gar nicht die not­wen­di­gen Kapa­zi­tä­ten hat”, warnt Rosen­ber­ger. Da ist es wie­der ein­mal wich­ti­ger, lie­ber auf den Kai­ros zu war­ten und eine sich erge­ben­de Gele­gen­heit zu ergrei­fen und gut zu nutzen. 

Anstand fängt dort an, wo das Gesetz aufhört.”

Seneca

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