Sonntagsimpuls

Sonntagsgedanken | Ein Platz ist bereitet

Heilig Geist Burghausen HDB am 03.05.2026

Fenster in warmen Farbtönen Info Icon Evi Wendlinger
Foto von Evi Wendlinger

Eine tröstliche Zusage: Bei Gott ist ein Platz für jede und jeden vorbereitet, und Jesus führt sicher dorthin.
In Zeiten der Verunsicherung ermutigt Jesus seine Jünger, auf ihn zu vertrauen und in der Beziehung zu Gott Halt zu finden. Er selbst zeigt, wie das geht.

Haben Sie eine Lieb­lings-Bibel­stel­le? Der Text, der an die­sem Sonn­tag gele­sen wird, gehört zu mei­nen: Im Haus mei­nes Vaters gibt es vie­le Woh­nun­gen“ (Joh 14,1 – 12). Die­ses Bild, dass bei Gott schon ein Platz berei­tet ist und Jesus uns ent­ge­gen­kommt, um uns abzu­ho­len, fin­de ich tröst­lich. Wer abge­holt wird, kann sich nicht ver­lau­fen; der Abho­len­de kennt den Weg. Die Woh­nung ist vor­be­rei­tet – ich wer­de erwar­tet. Jesus spricht die­se Wor­te in einer Zeit gro­ßer Ver­un­si­che­rung. Sein Abschied steht unmit­tel­bar bevor, die bevor­ste­hen­de Tren­nung hat die Jün­ger uner­war­tet getrof­fen und zutiefst ver­un­si­chert. Sie fra­gen sich, wie sie ohne ihn in einer Welt vol­ler Anfein­dun­gen und Bedro­hun­gen bestehen kön­nen. Euer Herz las­se sich nicht ver­wir­ren“, beginnt Jesus sei­ne mut­ma­chen­de Rede. Trotz­dem ver­ste­hen die Jün­ger die Situa­ti­on nicht; für sie wirkt alles unge­wiss und es bleibt unklar, wie es wei­ter­ge­hen soll. Jesus erin­nert sie an ihre tie­fe Ver­bun­den­heit mit ihm. Tho­mas zeigt er, dass er, indem er sei­nen Blick auf Jesus rich­tet, den Zugang zu Gott fin­den und damit eine Ant­wort auf sei­ne Suche ent­de­cken kann. Alles, was die Jün­ge­rin­nen und Jün­ger mit Jesus erlebt und erfah­ren haben, steht in die­ser wech­sel­sei­ti­gen Bezie­hung zwi­schen Jesus und Gott. An Jesus zu glau­ben heißt, selbst immer mehr in die­se Ein­heit mit Gott hin­ein­zu­wach­sen. Die Lesung aus der Apos­tel­ge­schich­te (Apg 6,1 – 7) zeigt, wie die­se Gemein­schaft kon­kret Gestalt annimmt. Inmit­ten von Span­nun­gen und Unge­rech­tig­kei­ten inner­halb der jun­gen Gemein­de wird Ver­ant­wor­tung geteilt, wer­den Diens­te neu geord­net, damit nie­mand über­se­hen wird. Der Glau­be bleibt nicht abs­trakt, son­dern wird sicht­bar im acht­sa­men Mit­ein­an­der und im Ein­satz für die Schwä­che­ren. Auch das gehört zu den Woh­nun­gen“ Got­tes: Räu­me, in denen Men­schen für­ein­an­der sor­gen und Gemein­schaft leben­dig wird. Der ers­te Petrus­brief (1 Petr 2,4 – 9) führt die­ses Bild wei­ter: Wir selbst wer­den als leben­di­ge Stei­ne“ bezeich­net, die zu einem geis­ti­gen Haus auf­ge­baut wer­den. Chris­tus ist der Eck­stein, auf den alles gegrün­det ist. Das heißt: Die vie­len Woh­nun­gen im Haus des Vaters sind nicht nur vor­be­rei­tet – wir selbst sind Teil die­ses Hau­ses. Jeder und jede hat einen Platz und eine Wür­de, getra­gen von Got­tes Zusa­ge: ein aus­er­wähl­tes Geschlecht, ein könig­li­ches Pries­ter­tum. Es gibt es vie­le Wege und For­men die­ses Seins mit Gott – vie­le Woh­nun­gen“. Got­tes Reich ist kein Ghet­to, Got­tes Reich ist Leben in Fül­le. Es ist ein offe­nes Haus, das wächst, weil Men­schen sich von Chris­tus tra­gen las­sen und selbst tra­gend für­ein­an­der wer­den. In die­sen ver­un­si­chern­den Zei­ten darf ich mir im Schau­en auf Jesus den Rücken stär­ken las­sen, im Schau­en dar­auf, wie er Got­tes Lie­be gelebt und ver­kün­det hat. Die­se Hal­tung darf ich wei­ter­tra­gen, im Ver­trau­en dar­auf, dass auch mein klei­ner Bei­trag Teil die­ses gro­ßen Hau­ses Got­tes ist. Und weil mei­ne mensch­li­chen Mög­lich­kei­ten dabei begrenzt sind, kommt mir Jesus ent­ge­gen und holt mich ab – zum Blei­ben im Haus sei­nes Vaters.

Bri­git­ta Necker­mann-Lipp, Haus der Begeg­nung HEI­LIG GEIST

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