Foto: Rebekka Redinger-Kneißl
Wie schön ist es nach den trüben und kalten Wintertagen das Gesicht in die Märzsonne zu halten und sich von ihren stärker werdenden Strahlen erwärmen zu lassen. Wie wichtig ist es beim Arbeiten ein helles Licht zu haben - ob draußen oder in der Küche oder beim Nähen oder am Schreibtisch oder … .
Wir Menschen brauchen das Licht.
Darauf geht Jesus in der Erzählung von der Blindenheilung ein. Jesus kennt unser Bedürfnis nach Licht. Und fast unvermittelt sagt er: Ich bin das Licht der Welt! Mit dieser Selbstaussage will Jesus unseren Blick lenken und uns helfen, die Welt im rechten Licht sehen zu können. Immer wieder passiert es uns Menschen, dass wir etwas oder jemanden übersehen. Manchmal sind wir wie blind. Nicht angenehm ist es, wenn uns jemand mehr oder weniger freundlich zuruft: Bist du blind!
Was können wir von Jesus lernen? Beim genauen Hinschauen fällt auf, dass anfangs Jesus der Aktive ist. Er ist unterwegs und beim Vorübergehen sieht er den Blinden. Er übersieht den Mann nicht, der abseits und in einer hoffnungslosen Situation ist. Der Blinde mit seinem Handicap ist immer zu langsam. In diese ausweglose Lage kommt Jesus dazu. Er sieht, er erklärt auf Nachfrage, er handelt und er heilt. Das göttliche Licht bringt den Blinden zum Sehen. Dieses Licht erfasst den Bedürftigen und wendet die Not. Erst jetzt ist der Blinde am Zug. Auf Jesu Anweisung geht er zum Teich Schiloach, wäscht sich und kann sehen. Interessant ist, dass der Teich mit Namen genannt und vom Evangelisten übersetzt wird: der Gesandte. Das muss eine Bedeutung haben! Seit den Tagen der frühen Kirche wird dieses Evangelium in der Taufvorbereitung verwendet. Wir werden darauf hingewiesen, dass wir als Getaufte auch Gesandte sind. Wir sind hineingesandt in die Orte, in denen wir leben und arbeiten. Als Christinnen und Christen haben wir eine Mission, das göttliche Licht — das uns selber erhellt — durch uns leuchten zu lassen. In diese Aufgabe dürfen wir hineinwachsen. Auch der Geheilte muss bei der ersten Anfrage sagen: ich weiß es nicht. Erst später kann er Auskunft geben, wer Jesus ist: er ist ein Prophet, er hat mich geheilt.
Zwei tröstliche Gedanken vom Evangelium dürfen wir als Getaufte und Gesandte mitnehmen in die nächste Zeit. Erstens: Jesus, in dem uns das göttliche Licht entgegenleuchtet, ist zuerst am Werk. Zweitens: Wir sind Gesandte. Auf diesem Weg dürfen wir in unsere Aufgabe hineinwachsen, ein Leben lang. Wir müssen nicht gleich Alles wissen. Mit der Zeit und Erfahrungen auf dem Lebens- und Glaubensweg ergeben sich neue Erkenntnisse, die uns auf Fragen Antworten finden lassen. Begleiten kann uns dabei die Bitte, auch beim Gesicht in die Sonne halten: “Sende dein Licht und deine Wahrheit, damit sie mich leiten” (Psalm 43,3)
Ludwig Raischl, Haus der Begegnung HEILIG GEIST



